Die Festival- und Clubkultur ist angezählt – was ist möglich, wenn Corona im Herbst erneut in den Ring steigt?

Knapp 40 Mitglieder des Deutschen Bundestags, deren Mitarbeiter:innen, Journalist:innen, Menschen aus Clubs und deren Netzwerken, aus Wissenschaft und von Behörden versammelten sich auf Einladung des Bundesverbands LiveKomm am 3. Juni 2022 im Ritter Butzke in Berlin, um über die Clubkultur und ihre Aussicht auf den Herbst zu reden.

© Clubcommission Berlin

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Das Parlamentarische Forum Festival- und Clubkultur, eine interfraktionelle Interessengemeinschaft von Parlamentarier:innen eröffnete. Caren Lay (MdB, DIE LINKE) und Hagen Reinhold (MdB, FDP) begrüßten die Anwesenden und setzten den Ton: Corona hat die Clubkultur hart getroffen, sie muss gestützt werden, damit Menschen sie wieder genießen, gestalten und leben können.

Die drei LiveKomm-Vorstände Pamela Schobeß (Clubcommission Berlin / Club Gretchen), Steffen Kache (Distillery Leipzig) und Gunnar Geßner (KlubNetz Niedersachsen / MusikZentrum Hannover) berichteten aus dem Alltag, aus der Arbeit und von ihren Erfahrungen. Sie malten streckenweise ein düsteres Bild für die Zukunft, sollte nicht ein Plan für kommende Pandemiewellen gemacht werden, der die Clubkultur schützen kann.

In einem mit viel Applaus bedachten Schlussstatement brachte es Pamela Schobeß auf den Punkt: „Unsere Gäste brauchen diesen Freiraum und diese Freiheit zum Sich-finden, zum Überleben“

Derzeit ist ungewiss, was der Gesellschaft, dem Gesundheitssystem und der Festival- und Clubkultur im Herbst droht. Weder Maßnahmen noch Pläne sind bekannt, vom Virusmutationsstand ganz zu schweigen. In den vergangenen zwei Jahren wurde viel Arbeit in vernünftige Konzepte investiert. Modellversuche zum Risikomanagement an der Einlasstür mit PCR-Tests gab es mehrere, die größten in Berlin und Brandenburg. Dr. Felix Rebitschek (Harding Zentrum für Risikokompetenz an der Universität Potsdam) stellte in seinem Kurzvortrag dar, wie es gelang zwei Festivals zu Zonen mit einem gewaltig gesenktem Risiko einer Ansteckung zu machen.

Da im letzten Herbst viel von PCR-Tests, ihren Kosten, ihrem Mangel, die Rede war, hatten die Veranstalter Carmela Migliozzi (Referentin im Wiener Gesundheitsstadtratsbüro), Mario Dujakovic (Pressesprecher im Wiener Gesundheitsstadtratsbüro), Stefan „Stizz“ Stürzer (WERK Wien) und Laurent Koepp (Ponyhof, ehm. Vienna Club Commission) aus Wien eingeladen, die per Videoschalte einen hochinteressanten Einblick in die Strategie der Stadt und des österreichischen Bundeslandes gaben.

Wien gelang, was Deutschland nicht konnte: allen Bürger:innen umfangreich kostenfreie PCR-Tests zur Verfügung zu stellen. Die Konsequenz waren bessere Informationen, risikoärmeres Verhalten, mehr Möglichkeiten Kultur, Gastronomie und andere Bereiche länger offen zu halten und damit gesparte Ausgaben für Unterstützungen oder Krankheitstage. Das Wiener Beispiel beweist, dass es möglich ist, PCR-Tests zu einem Stückpreis von vier bis sechs Euro anzubieten. Das ist günstiger als aktuell ein Bürgertest in Deutschland.

In der anschließenden Debatte herrschte große Einigkeit. „Es muss etwas getan werden, ein erneuter Lockdown für die Clubs wäre das definitive Aus für viele Einrichtungen. Ein blindes Laufen in den Herbst, bei dem bis zum letzten Moment gewartet wird, ist keine Strategie und wir Clubs, die bis jetzt jede Maßnahme zuerst und am längsten getroffen hat, müssen in diese integriert werden,” so Steffen Kache aus dem LiveKomm-Vorstand.

Drei Dinge sind nun nötig. Zuerst muss Kultur- und Gesundheitspolitik vernetzt werden und mit den Vertreter:innen der Clubszene und der Wissenschaft im Gespräch bleiben. Hier gab es die Zusage einiger Abgeordneter sich um entsprechende Termine zu kümmern, das Bundesgesundheitsministerium einzubinden und weiteren Dialog anzuschieben.

Dann muss eine gute und ambitionierte Teststrategie auf den Weg gebracht werden, die hohe Klarheit bei den Menschen schafft und an Clubtüren für Einlass sorgen kann.

Schließlich braucht es die bundesweit einheitliche Umsetzung entsprechender Maßnahmen und Möglichkeiten in den Eindämmungsverordnungen.

Die anwesenden Abgeordneten und die Mitarbeiter:innen ihrer Büros versprachen Unterstützung auf dem Weg. Ansonsten bleibt nur Daumen drücken, dass die Menschheit Glück mit den Mutationen hat.

„Dieser Austausch muss passieren. Wir stehen als Verband mit unserer Expertise gern zur Verfügung”, so Pamela Schobeß aus dem LiveKomm-Vorstand.

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