Digitale Touchpoints und ergänzende Angebote vor Ort
„Die Event- und Entertainment-Branche befindet sich seit Jahren in einem kontinuierlichen Wandel. Gäste erwarten heute vielseitig erlebbare Veranstaltungen, die über das Hauptereignis hinausgehen, ohne jedoch den eigentlichen Grund des Besuchs zu verwässern – also ergänzende Angebote, die den Tag sinnvoll ausfüllen, echten Mehrwert bieten und zu einem stimmigen Gesamterlebnis führen. Ebenso wichtig sind eindeutig kommunizierte Events und Module mit transparenten Buchungswegen sowie klar definierten Ticketbestandteilen bzw. Add-ons.
Für das kommende Jahr rechnen wir – neben dem ohnehin von den Gästen erwarteten Erlebnis- und Entertainment-Faktor – weiterhin mit einem starken Fokus auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und effiziente Besucherführung. Erfolgreiche Events verbinden emotionale Qualität mit verlässlichen, professionellen Abläufen. Das ist deshalb auch unser Fokus.
In der Vermarktung gewinnen vernetzte digitale Touchpoints weiter an Bedeutung. Gäste erwarten personalisierte Inhalte, intuitive Prozesse und die Möglichkeit, alle relevanten Bestandteile auch digital erwerben zu können – wie beispielsweise die Parkplatzbuchung beim Ticketkauf. Als Nürburgring richten wir unsere Systemlandschaft aktuell Schritt für Schritt auf die Bedürfnisse aus und stärken Ticketing, Customer Journey und Prozessqualität für eine konsistente Nutzererfahrung vom ersten Klick bis zum Event vor Ort.“
Ingo Böder, CEO, Nürburgring
Die Qualität des Gesamterlebnisses ist entscheidend
„In der Event- und Entertainment-Branche haben sich im letzten Jahr keine radikalen, aber doch spürbare Entwicklungen gezeigt. Neben Konzerten und Shows gewinnen Formate im Bereich Family Entertainment weiter an Bedeutung. Im Hallenstadion sehen wir dies etwa an neuen Angeboten wie einer American-Indoor-Football-Serie – erstmals in der Schweiz – oder dem beliebten Super10Kampf. Auch innovative hybride Shows wie Synthony bereichern das Programm. Zunehmend kommen zudem digitale Formate ins Live-Setting: Der Trend zu Live Podcasts zeigt, wie Online-Communities den Schritt in physische Erlebnisse machen.
Für 2026 erwarten wir, dass sich diese Vielfalt fortsetzt. Entscheidender als ein einzelner Trend bleibt die Qualität des Gesamterlebnisses. Besuchende wollen sich wohlfühlen, Emotionen erleben und eine gute Zeit haben – von der Show bis zur Venue selbst. Ambiente, Orientierung, Gastfreundschaft, Kulinarik sowie Afterpartys gehören heute ebenso dazu. Das Eventerlebnis fängt viel früher an und hört später auf. In der Vermarktung werden digitale Touchpoints weiter präziser eingesetzt, vor allem zur besseren Führung und Aktivierung des Publikums. Persönlich, klar und relevant – so bleibt man im kommenden Jahr sichtbar und flexibel.“
Philipp Musshafen, Direktor/CEO, Hallenstadion Zürich
„Content is King“
„Die Live-Kommunikationsbranche befindet sich spürbar im Wandel – angetrieben durch den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig steigen Budgetdruck und Erwartungen kontinuierlich. Während im vergangenen Jahr vor allem einzigartige Geschichten und immersive Erlebnisse im Zentrum standen, bleibt der Fokus auf starken, kreativen Leitideen weiterhin entscheidend – ganz im Sinne unseres eigenen Agenturanspruchs.
Nachhaltigkeit ist vom Trend zum Standard geworden: Bei Public Events gehören nachhaltige Konzepte und Mehrwegsysteme längst zum State of the Art. Die Dringlichkeit wird weniger stark kommuniziert, weil vorausgesetzt wird, dass sich Veranstalter aktiv damit auseinandersetzen.
Zunehmend rückt die Frage nach dem Sinn und Ziel eines Events ins Zentrum. ‘Content is King’ – ein Prinzip aus der Social Media-Welt – gilt heute ebenso für Live-Erlebnisse: Social Content wird integraler Bestandteil jedes Eventkonzepts. KI unterstützt und eröffnet zugleich Chancen, durch menschliche Kreativität noch mutigere und originellere Konzepte zu entwickeln.“
Michel Staubli, Geschäftsführer, migagentur
Verbindung von Show, Stadt und Service
„In der Branche beobachten wir eine spürbare Veränderung insbesondere im Bereich der Tourplanung großer Künstler:innen. Statt klassischer Tourneen mit vielen Einzelterminen in verschiedenen Städten setzen große internationale Acts zunehmend auf sogenannte Residencies – also mehrere Shows an einem einzigen Standort. Deshalb freuen wir uns, dass wir dank dem Veranstalter Live Nation in Düsseldorf die Europa-Residency der Backstreet Boys im Herbst 2026 mit sechs exklusiven Shows in der MERKUR SPIEL-ARENA realisieren dürfen und damit ein starkes Signal für Düsseldorf, NRW und den gesamten deutschen Live-Sektor bieten.
Die Anforderungen der Besucher:innen gehen dabei weit über das eigentliche Event hinaus – gefragt ist ein ganzheitliches Erlebnis, das Show, Stadt und Service miteinander verbindet. Die Customer Journey beginnt bereits bei der Planung und Anreise. Die Kombination aus digitalen Services und attraktiven Großveranstaltungs-Formaten bietet enormes Potenzial für Städte, sich als moderne, zukunftsfähige Event-Destinationen zu positionieren. Ziel ist es, die Nutzer:innen frühzeitig und kanalübergreifend zu begleiten.“
Daniela Stork, Executive Director Booking & Ticketing, D.LIVE
Regionale Wertschöpfung digital vorantreiben
„Wir beobachten aktuell eine deutliche Dynamik im Zusammenspiel von Technologie, Erlebnisgestaltung und regionaler Wertschöpfung. Besonders der Einsatz KI‑gestützter Tools verändert Planung, Produktion und Vermarktung spürbar. Gleichzeitig entwickeln sich hybride und digitale Event‑Architekturen weiter und eröffnen neue Möglichkeiten, Formate flexibel und skalierbar umzusetzen. Entscheidend ist dabei der wachsende Anspruch an personalisierte Inhalte – datengetrieben, situativ und durch KI in Echtzeit verfeinert.
Aus unserer Arbeit mit Destinationen sehen wir zudem, wie wichtig der regionale Mehrwert geworden ist. Veranstaltungen entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie nicht nur ein Event bieten, sondern auch die Stadt oder Region erkennbar und langfristig stärken.
Zentral geworden ist zudem die Begleitung der Besucher:innen über die gesamte Customer Journey hinweg. Adaptive Kommunikationsketten ersetzen lineare Kampagnen und reagieren auf Verhalten, Kontext und Interessen. So entsteht eine präzisere, relevantere und deutlich individuellere Ansprache rund um das gesamte Erlebnis.“
Adi Hadzimuratovic, Geschäftsführer, destination.one
Im Mittelpunkt muss weiter der Sport stehen
„Aus Sicht eines Sportevents stellt sich für mich immer mehr die Frage, wieviel Event muss oder darf es sein, ohne dass dabei der eigentliche Markenkern, der Sport nicht zur Nebensache wird? Ich erinnere mich noch an das Münchner Sechstagerennen, bei dem es den berühmten Spruch gab: "Das Einzige was stört sind die Radlfahrer". Hier gilt es also die richtige Balance zu finden. Einerseits attraktive Sideevents und ein cooles Ambiente. Im Mittelpunkt bleibt aber das emotionale Erlebnis eines Tennismatches am Center Court.
Gleichzeitig bin ich ein absoluter Verfechter der "Ersten und letzten 5-Sekunden-Regel". Wie empfange ich und wie verabschiede ich meine Zuschauer*innen? In diesem Punkt ist für mich vor allem die menschliche Komponente gefragt. Im Gegensatz dazu steht die Hinführung auf den Event aus einer lückenlosen digitalen Verschränkung.“
Ullrich Jelinek, Consultant, Reichel Business Group
Neues Kaufverhalten erkennbar
„Das Fanverhalten hat sich gewandelt: Tickets werden kurzfristiger gekauft, während der Anspruch an Flexibilität und Personalisierung steigt. Erfreulicherweise geht dies mit einer höheren Zahlungsbereitschaft einher.
Daraus ergeben sich für 2026 drei zentrale Trends:
- Neue Angebotsstrukturen: Durch Bundles, Flex-Pläne und Upgrade-Optionen können Vereine Fans begeistern und gleichzeitig die Umsätze steigern.
- Ticket als Signal: Der Fokus verschiebt sich auf den Customer Lifetime Value (CLV). Dank moderner Tools wird das Ticket zum Startschuss einer langfristigen Kundenbeziehung.
- Wert von Daten: Neben der Marke sind Ticketing-Daten das wichtigste Asset. Richtig genutzt, sind sie der Schlüssel zu mehr Umsatz und einem höheren Unternehmenswert.“
Simon Weber, Co-Founder, vivenu
Gegentrend zur digitalen Überreizung wird deutlich
„Im letzten Jahr hat sich in der Event- und Entertainment-Branche vor allem eines gezeigt: Angebote mit echter körperlicher Erfahrung gewinnen weiter an Bedeutung. Ein direkter Gegentrend zur digitalen Überreizung.
Für uns in der AREA 47 ist das keine Überraschung, wir haben uns konsequent auf Sportformate spezialisiert. Der Indoor Bikepark ist dabei zum zentralen Magneten geworden. Die wachsende Bike Szene, starke Partner und Events wie die Pumptrack-WM sowie die Austrian und German Pumptrack Series bestätigen, dass dieser Bereich nicht nur stabil, sondern klar im Aufwind ist. Auch unser „Obstacle Run“ am Saisonende, Wakeboard Meisterschaften, Eisbadeworkshops und vieles mehr zeigt, wie sehr das Publikum nach realen Herausforderungen sucht.
Für 2026 erwarten wir, dass hybride Eventmodelle dominieren: physische Challenges kombiniert mit präzisem digitalem Tracking, Community-Building und eventuell sogar datengetriebenem Training je nach Event. Die Veranstaltungsplanung muss stabil ausgelegt werden, Sicherheitslogistik, variable Streckenführungen, modulare Setups und smarte Besucherströme sind Pflicht.
In der Vermarktung verschiebt sich das Gewicht klar zu digitalen Touchpoints. Nicht „mehr Reichweite“, sondern relevantere Interaktion: segmentierte Athleten-Communities, Live-Content, Performance-Daten als Story-Elemente und Plattformen, die Sportler, Marken und Fans direkt verknüpfen.“
Katharina Schrom, Head of Sales & Booking, AREA 47
Zurück in den Live-Modus
„Ich und mein Team setzen darauf, dass die Branche trotz der Digitalität, zurück im Live-Modus ist – und das mit voller Kraft voraus. Allerdings haben wir trotzdem auch mit Herausforderungen wie steigenden Kosten, Personalmangel und extrem kurzfristigem Buchungsverhalten zu kämpfen. Gäste erwarten heute keine klassischen Programme mehr, sondern wirkliche Erlebnisreisen mit Story, Community-Gefühl und echtem Mehrwert.
Für 2026 wird alles smarter und hybrider: AI-gestützte Besucher-Journeys, personalisierte Agenden, Mixed-Reality-Elemente und intelligentes Matchmaking machen Events individueller und messbarer. Gleichzeitig steigt der Druck in Richtung Nachhaltigkeit, Inklusion und Wellbeing, wodurch Technik, Daten, Nachhaltigkeitskonzepte und Community-Building schon zu Beginn der Planung mitgedacht werden.
Auch in der Vermarktung dreht sich viel: Digitale Touchpoints entlang der gesamten Customer Journey werden immer wichtiger. Dazu gehören starke Event-Landingpages über Social-Snippets und Creator-Kooperationen bis hin zu automatisierten Marketing-Abläufen. Formate, bei denen man direkt ins Gespräch kommt, werden dabei immer stärker. Auch vor dem Event entsteht so schon eine Community, die sich austauscht und mitmacht. So entwickeln sich Veranstaltungen zunehmend in echte Plattformen die länger leben als nur ein Event.“
Ellen Kamrad, Geschäftsführerin, Menschen • Emotionen • Erlebnisse







