Timo Kollmeier, geschäftsführender Gesellschafter des „Hühnerpostens“

Eventlocation Hühnerposten am Hauptbahnhof kämpft ums Überleben.

Locations

Seit nun über 15 Jahren ist der Hühnerposten ein fester Bestandteil der Hamburger Innenstadt, der durch Veranstaltungen verschiedenster Art immer wieder ein buntes Publikum anlockt. Ob nun große Musikveranstaltungen, Vintage-Märkte oder die Firmenfeiern nationaler, wie auch internationaler Konzerne, der Hühnerposten ist Gastgeber für viele Events und Gäste.

Die Enttäuschung beim Inhaber der Hühnerposten Event GmbH Timo Kollmeier ist groß: „15 Jahre habe ich das Haus durch verschiedenartige Veranstaltungen mit Leben gefüllt – jetzt nutzt der Vermieter die Pandemie aus und versucht mich vor die Tür zu setzen“. Die vor 1,5 Jahren einsetzende Corona-Pandemie war und ist ein schwerer Schlag für die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche, so auch für den Hühnerposten. Die hohen monatlichen Mieten für die große Fläche in bester Hamburger Lage und der plötzliche Umsatzeinbruch um 100 %, bedingt durch die staatliche Schließungs-Anordnung, waren Eventlocation-Betreiber von Beginn an in einer prekären Situation.

Während viele Vermieter mit ihren Mietern am gemeinsamen Strang ziehen und sie durch die Pandemie begleiten, muss der Hühnerposten sich auch gegen den eigenen Vermieter wehren. Die Unterstützung der Politik mittels verschiedener Maßnahmen, beispielsweise die Stundung dreier Monatsmieten sowie verschiedene Hilfsprogramme wurden viel zu spät ausgezahlt. Dies könnte dem Hühnerposten nun zum Verhängnis werden. „Das es bei meinen Vermietern keine Beachtung findet, dass ich auch in diesem Jahr alle Mieten bereits zur Hälfte angezahlt habe, obwohl die Überbrückungshilfe III vom Bund noch nicht geflossen ist, macht mich sprachlos,“ so Kollmeier weiter.

Der Vermieter des Hühnerposten, die Immobiliengesellschaft einer Milliardärs-Familie aus dem Ruhrgebiet, versuchte bereits mehrfach, den Mietvertrag vorzeitig zu beenden und die Fläche räumen zu lassen. Zwei Versuche der Räumung konnten nur in letzter Minute abgewendet werden. Die Versuche der Räumung waren nur möglich, weil der Vermieter die Vorkehrungen des Gesetzgebers für eine Mietpreisreduzierung wegen Wegfall der Geschäftsgrundlage für nicht anwendbar erklärt. Die vom Staat zu spät ausgezahlten Überbrückungshilfen nahm der Vermieter zum Anlass, die schnelle Räumung des Hühnerpostens zu versuchen.

„Durch die verspätete Auszahlung der Beihilfen gab es eine Schutzlücke, die der Vermieter gnadenlos auszunutzen versucht. Das müssen wir verhindern!“ – so Rechtsanwalt Michael Semder von der Kanzlei Dr. Schreier & Partner Rechtsanwälte, der die Hühnerposten Event GmbH anwaltlich vertritt. Es ist nur ein Gerücht, dass der Vermieter sich einen neuen Mieter sucht. Einen Mieter, der nicht von der Corona-Pandemie betroffen ist und die volle Miete zahlen kann und muss. Damit wird der Vermieter die finanzielle Belastung der Corona-Pandemie los - Hamburg jedoch verliert die am zentralsten gelegene Eventlocation.

Die Situation zeigt, wie wenig die Politik den Schutz und die Förderung wirtschaftlich stark angegriffener Betriebe im Griff hat. Die langen Bearbeitungsprozesse und späten Auszahlungen bringen erhebliche negative Konsequenzen für Unternehmen mit sich. Der Hühnerposten war 15 Jahre lang am Markt tätig und Teil der Kultur- und Partyszene in Hamburg.

Am Diensttag den 29.06.2021 um 13:00 Uhr wird am Landgericht Hamburg verhandelt, ob die Kündigung rechtmäßig war. Ob die Partygänger sich wieder im Hühnerposten treffen können – das ist ungewiss.

Unternehmen

Hühnerposten Event GmbH

40157560457
zcr.dzuakgu-vveeyg.sg