Veranstaltungsbranche fordert bundeseinheitliche Maßnahmen ohne Kapazitätsbeschränkungen

Das Forum Veranstaltungswirtschaft hat die Mitglieder des Bundestages sowie die Bundesregierung aufgefordert, sehr behutsam und umsichtig bei dem Erlass etwaiger Eindämmungsmaßnahmen zu agieren, die im Herbst und Winter aufgrund erneut steigender Infektionszahlen in Betracht gezogen werden könnten.

Insbesondere der wirtschaftlich von der Pandemie am stärksten betroffenen Veranstaltungswirtschaft müssten zukünftige Maßnahmen sowohl die Sicherheit als auch eine Perspektive bieten, die es ihnen nach allen Schwierigkeiten der vergangenen zwei Jahre ermöglicht, auch eine weitere Krise wirtschaftlich zu überstehen. Dazu sei es zwingend erforderlich, dass es zukünftig weder Kapazitätsbeschränkungen noch Abstandsregelungen bei Veranstaltungen gibt. Nur so könnten erneute massenhafte Absagen von Events und eine weitere Verunsicherung von Kartenkäufern und Veranstaltungsinteressierten vermieden werden.

„Die Allianz sechs maßgeblicher Verbände des Wirtschaftsbereichs fordert bundeseinheitliche und einfache Vorgaben. Wir haben dazu eine Genehmigungsmatrix erarbeitet, die im Einklang mit den Empfehlungen in der 11. Stellungnahme des ExpertInnenrates steht“, berichtet Timo Feuerbach, Geschäftsführer des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC).

Entscheidend dabei sei eine möglichst einheitliche Kommunikation neuer Regelungen und Empfehlungen. Diese müssten leicht verständlich und nachvollziehbar sein.

„Nur eine bundeseinheitliche Vorgehensweise bei der Festlegung der pandemischen Risikostufen und Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung kann eine Planungssicherheit für Veranstalter:innen gewährleisten und einen Kollaps des Wirtschaftszweigs sowie eine weitere Verunsicherung von Veranstaltungsbesuchern verhindern“, so Randell Greenlee, Bereichsleiter für Wirtschaft und Internationales beim Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT). „Insbesondere Kapazitätsbeschränkungen, die zur erneuten Rückabwicklung von Kartenverkäufen führten, wären für die Branche fatal.“

Sowohl in der 11. Stellungnahme des ExpertInnenrates als auch in der Evaluation der Rechtsgrundlagen und Maßnahmen der Pandemiepolitik durch den Sachverständigenausschuss (§5 IfSG) werden Teststrategien als eine Möglichkeit zur Eindämmung der Infektionsrisiken genannt.

„Die Musikclubs können nur ohne Kapazitätsbeschränkungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht überleben. Wir können uns allerdings – sofern die Krankenhaus- und KRITIS-Belastung es zwingend erforderlich machen – mit dem Erfordernis von RT-PCR-Tests in der höchsten Risikostufe arrangieren“, berichtet Axel Ballreich, 1. Vorsitzender des Verbandes der Musikspielstätten in Deutschland e.V. (LIVEKOMM). „Die Kosten für die Tests müssen allerdings vom Staat getragen werden. Die sozialen und gesellschaftlichen Aspekte in der Pandemie dürfen dabei nicht vernachlässigt werden.“

Die Branche benötige dringend eine Perspektive, wie es im Fall der Fälle im Herbst für sie weitergehen kann. Dazu bedürfe es schnell der Aufnahme eines Dialogs zwischen den Vertreter:innen des Wirtschaftszweiges und der Bundesregierung. „Wir brauchen dringend konkrete Gespräche dazu mit der Bundesregierung“, sagt Marcus Pohl, Vorsitzender der Interessengemeinschaft derselbständigen Dienstleisterinnen und Dienstleister in der Veranstaltungswirtschaft e.V. (isdv). „Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit der sechstgrößte Wirtschaftszweig mit 248.000 Unternehmen nicht doch noch auf den hoffentlich letzten Metern an die Wand fährt und die bisherigen Hilfen damit das Ziel des Erhaltens von Unternehmen und Arbeitsplätzen verfehlen“, fügt er hinzu.

Die Veranstaltungswirtschaft hat schon zu Beginn der Pandemie den Schutz der Bevölkerung ernst genommen. Seit Jahrzehnten arbeiten Spezialist:innen in der Branche, um die Veranstaltungssicherheit zu gewährleisten. Erfolgreiche Hygiene- und Belüftungskonzepte sind entwickelt und umgesetzt worden. Die vom Forum Veranstaltungswirtschaft und diversen eingebundenen Expert:innen erarbeitete Matrix wurde in Abstimmung mit dem Bundesverband Veranstaltungssicherheit (bvvs) verabschiedet. Aus Sicht der Sicherheitsfachplaner:innen ist der modulare Ansatz aus der Matrix sinnvoll und eine länderübergreifende kongruente Umsetzung notwendig.

„Nur so können Veranstaltungen mit den dafür notwendigen Hygienekonzepten samt angepasster Maßnahmen in den jeweiligen Risikostufen sicher umgesetzt werden. Dadurch werden sowohl für die Veranstalter:innen als auch für die Behörden klare Rahmenparameter vorgegeben, welche sowohl die Planbarkeit als auch die Genehmigungsfähigkeit vereinfachen“, sagt Sven Hansen,

1. Stellvertretender Vorsitzender vom Bundesverband Veranstaltungssicherheit.

„Die Messewirtschaft führt bisher – solange sie dürfte – in der Pandemie sichere Veranstaltungen durch“, sagt Michael Kynast vom Fachverband Messen und Ausstellungen e.V. (FAMA). „Dringend erforderlich ist vor allem eine klare und frühe Entscheidung des Bundes und der Länder für den Herbst/Winter 2022/23. Die Veranstalter müssen eine bundesweite Planungssicherheit haben. Die Maßnahmen müssen von Vornherein klar sein. Es geht um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Messe- und Kongressstandortes Deutschland.“

Trotz einiger erfolgreicher Musikveranstaltungen in diesem Sommer ist die wirtschaftliche Lage der Kulturveranstaltungswirtschaft immer noch prekär.

„Der Kartenverkauf für Kulturveranstaltungen läuft bei vielen Veranstaltungen außerordentlich schlecht. Dafür gibt es zahlreiche Gründe wie vor allem die nach wie vor bestehende Verunsicherung des Publikums sowie nun auch wachsende Ängste aufgrund der steigenden Inflation und Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine“, berichtet Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV). „Die Branche befindet sich daher nach wie vor in einer sehr desolaten Lage, in der es nur noch eines kleinen Windstoßes bedarf, um sie endgültig zum Kippen zu bringen.“ Das werde zwangsläufig zu Insolvenzen, Betriebsaufgaben und noch weiterer Abwanderung von Arbeitnehmern:innen und Soloselbständigen führen.

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