„Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen“

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Im Gespräch mit der boe international: Patric Weiler über den Aufbruch der Live-Kommunikation in die KI-Ära. Patric Weiler hat Firmen in unterschiedlichen Rollen geführt und prägt seit fast drei Jahrzehnten die Live-Kommunikationsbranche.

Als stellvertretender Deutschlandchef und Strategieleiter bei American Express Meetings & Events, als Co-Founder und CEO der Digitalagentur 7thSENSE, einer der ersten in Europa, sowie als Director of Strategy & Innovation bei Proske kennt er die Branche aus jeder Perspektive. Er beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, lange bevor der aktuelle Hype begann, und gilt heute als einer der führenden Unternehmensberater und Sparringspartner, wenn es um die Transformation von Unternehmen ins KI-Zeitalter geht. Darüber hinaus ist er als Hochschuldozent, Trainer, Autor und Keynote-Speaker für strategische Zukunftsthemen aktiv. Auf der boe international 2026 spricht er über das Thema „Game Changer AI – wie künstliche Intelligenz die Zukunft der Live-Kommunikation prägen wird“.

Patric, du hast internationale Vertriebsorganisationen aufgebaut und geführt: Welche Teamrollen, Abläufe und Tools sollten 2026 zur Grundausstattung gehören – und welche typischen Fehler spart man sich am besten gleich?

Den größten Fehler, den man heutzutage machen kann, ist, den Einzug der Künstlichen Intelligenz zu ignorieren. KI ist längst nicht mehr ein einzelnes Tool, sondern muss als fester Bestandteil des Teams verstanden werden. Unternehmen müssen ihre Prozesse überdenken – weg von Routinen, die Jahrzehnte funktioniert haben, hin zu Strukturen, die lernen, sich anpassen und dynamisch reagieren können.

Ich spreche hier nicht von kleinen Spielereien mit Tools, die Endverbraucher beeindrucken sollen. Das ist für Unternehmen nicht der Punkt. Entscheidend ist, ein tiefes Verständnis der KI-Prinzipien zu entwickeln – also, wie Muster erkannt, Daten interpretiert und Entscheidungen vorbereitet werden. Darauf baut jede erfolgreiche Nutzung auf.

Der größte Fehler liegt im sogenannten Tool-Hopping. Bei über 15.000 verfügbaren KI-Tools ist jedes neue Plug-in schon morgen veraltet. Wichtiger ist, eine klare Strategie zu entwickeln, die Orientierung und echten Zukunfts-Fokus gibt. KI ist kein Experiment, sondern eine Gestaltungsaufgabe.

Am Ende zählt: KI verändert nicht nur Arbeit, sondern Zusammenarbeit. Wer Neugier statt Angst fördert, schafft Teams, die sich mit KI weiterentwickeln, statt gegen sie anzukämpfen. Und das ist der Unterschied zwischen Veränderung und Fortschritt.

Viele Events schaffen große Momente, aber wenig strategischen Nachhall. Wie lässt sich erreichen, dass Botschaften über das einmalige Erlebnis hinaus wirken, weitergetragen werden? Und welche Rolle kann KI dabei spielen?

Ein Event muss nicht enden, wenn das Licht ausgeht. Im Gegenteil: KI eröffnet die Möglichkeit, Erlebnisse über alle Kommunikationskanäle hinweg weiterzuführen. Sie erkennt Muster im Verhalten und in den Emotionen der Teilnehmenden und verknüpft diese mit Daten aus CRM-Systemen, Social Media oder Kampagnenplattformen. So entsteht eine Full-Circle-Experience, in der Events nicht isoliert stehen, sondern mit anderen Kommunikationsdisziplinen verbunden sind – vom TV-Spot bis zur digitalen Community.

Man kann sich das vorstellen wie ein Orchester: Der Event ist der erste Geiger, der die emotionalen Highlights setzt. Und die KI übernimmt die Rolle der Dirigentin. Sie sorgt dafür, dass alle Kanäle harmonisch zusammenspielen, dass Botschaften sich verstärken, statt sich zu überlagern.

Richtig eingesetzt, wird der Event so zum Herzstück einer integrierten Markenkommunikation. Laut Studien von McKinsey und MIT steigert der intelligente Einsatz von KI die Teilnehmerzufriedenheit um über 40 Prozent und reduziert gleichzeitig operative Aufwände um bis zu 60 Prozent. Das zeigt, was möglich ist: Effizienz trifft Emotion. Und beides zahlt auf strategische Wirkung ein.

Wo bringt KI im Tagesgeschäft schnell spürbare Ergebnisse? Wie wird daraus ein dauerhaftes Basisangebot statt nur ein Einzelprojekt?

KI zeigt ihre Stärke in zwei Dimensionen: Effizienz und Positionierung. Die erste Dimension ist die Effizienzdimension. In Zeiten, in denen Budgets schrumpfen und Volumina sinken, ist Effizienz kein Vorteil, sondern Überlebensstrategie. KI reduziert operative Aufwände um bis zu 80 Prozent: von Teilnehmermanagement über Content-Erstellung bis hin zur Konzeptphase. Damit werden Ressourcen frei, die dort wirken, wo Wert entsteht, etwa in Beratung, Kreativität und Kundenkontakt.

Die zweite Dimension ist die Positionierungsdimension. KI ermöglicht es Agenturen und Eventabteilungen, sich vom reinen Dienstleister zum strategischen Partner zu entwickeln. Durch intelligente Datenanalysen, Hyperpersonalisierung und Predictive Insights kann man Zielgruppen genauer verstehen, Erlebnisse präziser gestalten und die Performance von Kommunikation messbar verbessern.

In meinem Whitepaper AI x Experience nenne ich das den „doppelten Gewinn“. Wer Effizienz und Positionierung zusammen denkt, schafft sich Raum und nutzt diesen Raum, um die eigene Relevanz zu erhöhen. Genauso entsteht Wachstum: durch kluge Prozesse und mutige Positionierung.

Hand aufs Herz, Patric. Der Wandel ist längst spürbar. Unternehmen wie Amazon streichen zehntausende Bürojobs, andere automatisieren ganze Bereiche. Was bedeutet das für die bestehenden Berufsbilder und Rollen? Wie können Unternehmen diesen tiefgreifenden Wandel so gestalten, dass Mensch und Technologie gemeinsam stark werden?

Der Wandel ist längst da und er wird spürbarer mit jedem Tag. Doch neu ist er nicht. Jede große Innovation, von der Dampfmaschine über den Computer bis zum Internet, hat die Arbeitswelt neu geformt. Nur diesmal passiert es schneller. KI kam gefühlt über Nacht an die Oberfläche, nachdem sie achtzig Jahre im Hintergrund gereift war.

Unternehmen stehen heute vor der Aufgabe, den Wandel aktiv zu gestalten. Sie müssen sicherstellen, dass das richtige Know-how im Unternehmen ankommt und angewendet wird. Prozesse, Strukturen, Entscheidungswege: all das braucht ein Update. Und vor allem müssen die Menschen mitgenommen werden. Denn sie sind der Motor dieser Veränderung.

Wer glaubt, nur in Technologie investieren zu müssen, übersieht den Menschen als wesentlichem Faktor. Künstliche und menschliche Intelligenz müssen zu einem Power-Couple werden. Denn die Zukunft wird nicht zwischen Mensch und Maschine entschieden, sondern zwischen reaktiven und gestaltenden Unternehmen. Oder, wie Peter Drucker sagte: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie selbst zu gestalten.“

Du begleitest Unternehmen, von Agenturen bis Konzernen, auf dem Weg in die KI-Epoche: Die boe 2026 steht vor der Tür, jährliches Highlight der Eventbranche. Wo sollten Akteure jetzt ansetzen, um KI-Chancen zu nutzen? Welche Impulse sind dafür entscheidend?

Wenn ich einen Kernpunkt nennen müsste, auch wenn er nicht spektakulär klingt, dann ist es Wissen. Wissen darüber, was KI wirklich bedeutet und welche Chancen sie eröffnet. Denn bei der Fülle an Informationen und Tools ist es schwer, Orientierung zu behalten. Genau deshalb habe ich den KI-Führerschein entwickelt. Ein kostenloses E-Learning, das in nur zwei Stunden eine zertifizierte Basis vermittelt, 100 Prozent kompatibel mit dem EU AI Act. Es ist die einfachste Möglichkeit, ganze Teams schnell auf denselben Wissensstand zu bringen.

Darauf aufbauend empfehle ich, strategische Workshops zu starten: Top-down für Richtung, bottom-up für Beteiligung. So entsteht ein gemeinsames Zukunftsbild, das nicht im Labor, sondern im Unternehmen wächst. Und wer mag, holt sich dafür Sparringspartner ins Haus.

Am Ende geht es um Haltung, aber auch um Neugier und Freude am Gestalten. KI ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, sich als Unternehmen, Marke oder Mensch neu zu definieren.

Für alle, die tiefer einsteigen möchten, gibt es mein kostenloses Whitepaper „AI x Experience“ und den Podcast „Live Intelligence“, den ich gemeinsam mit Peter Blach und Ron Schneider betreibe. Dort vertiefe ich genau diese Themen. Und wer weiterführende Fragen hat? Wir sehen uns auf der boe. Ich freue mich auf viele inspirierende Gespräche und neue Begegnungen.

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