René und Bernd Proske

40 Jahre Proske – unabhängig, technologiegetrieben, menschlich – Teil 1: Identität, Unabhängigkeit und prägende Wendepunkte

Agenturen

Ein Gespräch mit René Proske und Larissa Steinbäcker.

eventmanager.de: Herr Proske, Frau Steinbäcker, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Proske. Wenn Sie diese vier Jahrzehnte Revue passieren lassen: Was hat sich am stärksten verändert – und was ist bemerkenswert gleichgeblieben?

René Proske (RP): Vielen Dank! Wenn ich an die Anfangszeit denke, sehe ich tatsächlich noch Telefone mit Wählscheibe auf den Schreibtischen. Die Branche war deutlich kleiner, analoger, vielleicht auch gemütlicher. Auch war vieles noch weniger geregelt. Heute sind die Kunden aber mutiger als damals. Gleichzeitig gab es schon damals den Kern, der uns bis heute ausmacht: unseren Fokus und unsere Spezialisierung. Wir wollten nie alles für alle machen, sondern uns auf eine Branche und definierte Felder konzentrieren, um den Ansprüchen unserer Kunden wirklich gerecht zu werden. Heute sind wir stark im Healthcare-Bereich unterwegs, dazu kommt Beauty und eine Zeit lang haben wir auch Sportprojekte realisiert. Dieser Anspruch, eher Spezialist als Generalist zu sein, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte.

Larissa Steinbäcker (LS): Aus meiner Perspektive – ich habe im Projektmanagement angefangen und bin über viele Stationen in die Geschäftsführung gekommen – ist genau diese Kombination spannend: Auf der einen Seite hat sich das Umfeld radikal verändert. Digitalisierung, Globalisierung, neue Erwartungshaltungen auf Kundenseite, Nachhaltigkeit, Compliance – das alles gab es in dieser Form vor 20 oder 30 Jahren nicht. Auf der anderen Seite ist Proske als Familienunternehmen mit einer klaren Identität erkennbar geblieben. Wir haben uns immer wieder neu erfunden, ohne unseren Charakter zu verlieren. Dieses Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Veränderung prägt unseren Alltag und auch unseren Führungsstil.

Unabhängigkeit als bewusste Entscheidung

eventmanager.de: Viele inhabergeführte Agenturen sind in den letzten Jahren von großen Netzwerken übernommen worden. Proske ist unabhängig geblieben. War das ein bewusst verfolgter Kurs oder eher eine Folge glücklicher Umstände?

RP: Es wäre unehrlich zu sagen, dass wir nie Angebote oder Gespräche gehabt hätten. In 40 Jahren tauchen immer wieder potenzielle Partner auf, die sich vorstellen können, einen unabhängigen Player zu integrieren. Wir hatten durchaus konkrete Gespräche – mehrere, über die Jahre verteilt. Theoretisch hätte es also Chancen gegeben, „ja“ zu sagen. Aber es hat nie rundum gepasst: nicht bei den Werten, nicht bei der Frage, wie mit Mitarbeitenden umgegangen würde, und oft auch nicht bei der langfristigen Perspektive. Im Rückblick bin ich sehr froh darüber. Wir waren immer ein bisschen „anders“: weniger laut, weniger sichtbar, als es unsere Größe vermuten lässt, eher im Hintergrund. Wir machen unser eigenes Ding, laufen nicht jedem Trend hinterher. Unsere Kunden schätzen genau das, weil sie wissen, dass es uns um langfristige Zusammenarbeit und messbare Ergebnisse geht.

LS: Für mich in der Geschäftsführung ist diese Unabhängigkeit ein enormer Gestaltungsraum. Sie erlaubt uns, Entscheidungen viel schneller zu treffen, als es in einem Konzernkontext oft möglich wäre. Das hat man besonders deutlich während der Pandemie gesehen: Wir konnten binnen kürzester Zeit Ressourcen umschichten, unsere Plattform launchen, Vertriebs- und Kommunikationsstrategien anpassen. Wir mussten niemanden in fernen Headquarter-Etagen überzeugen, sondern konnten direkt handeln. Und wir orientieren uns weniger an kurzfristigen Kennzahlen als an der Frage, was für unsere Kunden, unsere Mitarbeitenden und das Unternehmen auf Sicht von fünf, zehn oder 15 Jahren sinnvoll ist. Das ist ein echter strategischer Vorteil.

RP: Dazu kommt der emotionale Teil: Ich bin die dritte Generation in diesem Unternehmen, mein Sohn könnte irgendwann die vierte sein. Wir haben hier mehr aufgebaut als nur eine Bilanzsumme. Es geht um Verantwortung – für die Familie, aber auch für Menschen, die zum Teil seit vielen Jahren bei uns sind. Das gibt man nicht leichtfertig aus der Hand. Wenn wir uns eines Tages doch für einen Partner öffnen sollten, müsste das kulturell, fachlich und menschlich extrem gut passen. In vier Jahrzehnten war das bislang nicht der Fall.

Wendepunkte, die Proske geprägt haben

eventmanager.de: Wenn Sie auf 40 Jahre Proske zurückblicken: Welche Momente würden Sie als wirkliche Wendepunkte bezeichnen?

RP: Ein Schlüsselmoment war 2007. Wir haben aktiv entschieden, uns auf Rahmenverträge zu bewerben. Ein großer Kunde hat uns damals dann einen Rahmenvertrag gegeben und damit eine langfristige Zusammenarbeit zugesichert. Das war mehr als ein großes Projekt – es war eine Einladung, uns tiefer in die Organisation hineinzudenken, unsere Leistungen strategischer zu verankern und vor allem: Ergebnisse messbar zu machen. Wir konnten nicht nur sagen „Der Abend war schön“, sondern zeigen, welche Wirkung die Maßnahmen im Gesamtkontext hatten. Das hat unser Selbstverständnis und unsere Rolle verändert.

RP: 2013 folgte für mich der nächste große Wendepunkt: Wir haben uns klar auf Strategic Meeting Management und die dazugehörige Technologie fokussiert. Damit wurde aus Eventorganisation im engeren Sinn ein systematischer Managementansatz mit Richtlinien, Prozessen, Tools und Reporting. Wir hatten plötzlich ein Kernthema, das wir über verschiedene Kunden, Länder und Business Units hinweg implementieren konnten. Das hat uns noch stärker in die Rolle des strategischen Partners gebracht – weg vom „Dienstleister für einzelne Veranstaltungen“ hin zum Berater für den gesamten Meeting- und Eventbereich.

LS: In der jüngeren Geschichte war natürlich die Pandemie 2020 ein Einschnitt, den wir alle nicht vergessen. Für Proske war das ambivalent: Auf der einen Seite waren die Auftragsbücher über Nacht leer, auf der anderen Seite hatten wir bereits vorher entschieden, virtuelle Formate stärker zu nutzen – ursprünglich vor allem aus Nachhaltigkeitsgründen. Plötzlich wurden diese Überlegungen zur Überlebensstrategie. Wir haben im März 2020 unseren MVP für eine virtuelle Plattform gelauncht und das Unternehmen innerhalb weniger Monate auf eine neue Realität ausgerichtet. 2020 wurde wirtschaftlich das beste Jahr unserer Firmengeschichte, bei allen Herausforderungen. Ein weiterer Wendepunkt ist die Internationalisierung der letzten Jahre, insbesondere der Aufbau unseres US-Standorts. Der amerikanische Markt stellt andere Anforderungen, aber auch andere Chancen bereit. Das hat unseren Blick nochmals geweitet.

Ausblick und Übergang zu Teil 2

Die Pandemie markierte nicht nur einen wirtschaftlichen Wendepunkt, sondern stellte Proske auch kulturell, organisatorisch und menschlich vor neue Herausforderungen.
Wie das Unternehmen diese Phase intern erlebt hat, welche Rolle Führung, Kultur und Technologie dabei gespielt haben — und warum KI für Proske kein Selbstzweck ist — darum geht es in Teil 2 dieses Interviews.

Die Fortsetzung folgt nächste Woche auf eventmanager.de.

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