Proske Co-CEO Larissa Steinbäcker und Markus Struppler

40 Jahre Proske – unabhängig, technologiegetrieben, menschlich – Teil 2: Führung, Kultur, Technologie und der Blick nach vorn

Agenturen

Ein Gespräch mit René Proske und Larissa Steinbäcker.

Im ersten Teil unseres Interviews haben René Proske und Larissa Steinbäcker über die Identität von Proske, die bewusste Entscheidung zur Unabhängigkeit und zentrale Wendepunkte in 40 Jahren Unternehmensgeschichte gesprochen.

Im zweiten Teil geht es um die menschliche Seite dieser Entwicklung: Führung in Krisenzeiten, Unternehmenskultur, Technologie — und die Frage, was auch im Zeitalter von KI unersetzlich bleibt.

Rückblick: Die Pandemie als Stresstest für Führung und Kultur

eventmanager.de: Wie haben Sie die ersten Monate der Pandemie persönlich erlebt – als Unternehmer und als Führungskraft?

René Proske (RP): Natürlich war da zuerst ein Schockmoment: Von einem Tag auf den anderen standen wir vor leeren Kalendern. Wir sind in einer Branche, die von physischer Begegnung lebt – und plötzlich war das verboten. Gleichzeitig haben wir uns relativ schnell gesagt: Das ist die nächste Herausforderung, die wir annehmen. Entscheidend war, dass wir etwas vorbereitet hatten, weil wir schon mit weniger Reisetätigkeit gerechnet hatten. Dass die Reisen komplett auf null gehen würden, konnte niemand ahnen. Aber wir hatten eine Plattform in der Pipeline, konnten im März 2020 den MVP launchen und haben dann Vollgas gegeben: Produkt weiterentwickeln, Vertrieb ausrichten, Kommunikation aufbauen. Im Juni 2020 liefen die ersten virtuellen Events, am Jahresende hatten wir unser bisher bestes Jahr – wirtschaftlich gesehen. Das war ein enorm intensiver, aber auch sehr lehrreicher Zeitraum.

Larissa Steinbäcker (LS): Für mich war besonders wichtig, wie wir mit Unsicherheit umgehen. Ich war damals noch „normale“ Mitarbeiterin, nicht in der Position, große strategische Entscheidungen zu treffen. Aber ich habe erlebt, wie stark Ruhe und Ehrlichkeit aus dem Leadership wirken können. Wir haben versucht, sehr transparent zu sein – über Risiken, Szenarien, aber auch über Chancen. In dieser Phase ist unser wöchentliches „Proske-Picknick“ entstanden: ein fixer virtueller Termin, bei dem das Management informiert, Neuigkeiten teilt und Teams ihre Projekte vorstellen. Das hat uns als Organisation zusammengehalten und läuft bis heute weiter.

LS: Gleichzeitig war es nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Die Umstellung auf virtuelle Formate hat auch dazu geführt, dass einige Kolleginnen und Kollegen gesagt haben: „Das ist nicht mehr der Job, für den ich einmal angetreten bin.“ Manche wollten keine Plattformen bauen oder sich so tief in digitale Tools einarbeiten. Das respektieren wir. Es hat uns noch einmal deutlich gezeigt, wie eng Kultur, Rollenverständnis und persönliche Lebensentscheidungen zusammenhängen.

eventmanager.de: Sie sprechen von einem „speziellen Schlag Mensch“, der zu Proske passt. Wie würden Sie die Kultur in wenigen Sätzen beschreiben?

LS: Proske ist definitiv kein Ort für Menschen, die am liebsten feste Routinen ohne Veränderung mögen. Wir sind schnell, wir sind neugierig, wir stellen viel in Frage. Wer Freude daran hat, Dinge zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen, Ideen einzubringen – der oder die kann bei uns eine große Bühne bekommen. Viele unserer Produkte, Services und sogar ganze Abteilungen sind aus der Initiative von Mitarbeitenden entstanden, nicht aus einem Top-down-Masterplan. Das prägt die Kultur.

RP: Für mich gehört dazu: Wir haben keine Angst vor Veränderung. Über vier Jahrzehnte hinweg war es immer normal, dass sich Dinge verändern – Technologien, Kundenstrukturen, Märkte. Konstante Veränderung bedeutet, dass die Komfortzone eher die Ausnahme ist. Das ist anstrengend, aber es hält uns wach und relevant. In unserer Kultur ist es normal, sich zu fragen: Wie können wir das besser machen? Welche Prozesse können wir neu denken? Wo schaffen wir zusätzlichen Mehrwert?

RP: Gleichzeitig sind bestimmte Werte nicht verhandelbar: Ehrlichkeit, Integrität, Verlässlichkeit. Kurzfristig ist das nicht immer der „einfachste“ Weg. Aber gerade als Familienunternehmen denken wir in längeren Horizonten. Wir möchten verlässlicher Partner sein – für Kunden, Partner und Mitarbeitende –, auch wenn das bedeutet, gelegentlich unbequeme Wahrheiten auszusprechen oder Projekte nicht um jeden Preis anzunehmen.

eventmanager.de: Kommen wir zu den Veranstaltungen selbst: Wie hat sich die Rolle von Events im Marketing-Mix Ihrer Kunden verändert?

RP: Früher hat man Events oft vor allem daran gemessen, ob sich der Abend gut angefühlt hat: gute Stimmung, begeisterte Teilnehmer, positive Rückmeldungen. Das ist weiterhin wichtig, aber heute reicht das nicht mehr. Events sind ein Kanal in einem komplexen Marketing-Mix, in dem digitale Kanäle enorme Datenmengen und klare KPIs liefern. In diesem Umfeld müssen Meetings und Events ihre Daseinsberechtigung nachweisen. Das heißt: Sie müssen zeigen, welchen Beitrag sie zur Gesamtstrategie leisten. Wir sehen das positiv, weil wir seit vielen Jahren daran arbeiten, genau diese Messbarkeit zu ermöglichen. Wir wollen unseren Kunden helfen, intern argumentieren zu können: „Schaut, das ist der Business Impact unserer Veranstaltungen.“

LS: In der operativen Arbeit sehen wir eine klare Verschiebung: Weg von „Wow um des Wow willen“ hin zu „Was bringt es wirklich?“. Natürlich darf ein Event spektakulär sein, aber die Kernfragen lauten: Was ist das Ziel? Welche Verhaltensänderung, welches neue Verständnis, welche Entscheidungen sollen angestoßen werden? Wir versuchen, mit unseren Kunden systematisch Ziele zu definieren – und dort, wo sie nicht klar sind, unterstützen wir bei der Entwicklung. Design Thinking ist dafür ein sehr passender Ansatz, weil er uns hilft, Bedürfnisse und Probleme präzise herauszuarbeiten. Wir betrachten außerdem die gesamte Datenreise – vor, während und nach dem Event –, um zu lernen und Folgeentscheidungen zu verbessern.

eventmanager.de: Proske wird als sehr technologieaffin wahrgenommen. Wie ist dieser Fokus entstanden, und wie konkret zeigt er sich?

RP: Technologie ist für uns kein Add-on, sondern ein Denkprinzip. Wir sehen sie nicht einfach als Tool, das man einkauft und nutzt, sondern als zentralen Bestandteil unserer Strategie. Unsere Standorte – Deutschland und USA – sind keine Niedriglohnländer. Wir können im reinen Preiskampf nicht bestehen. Unser Hebel ist Mehrwert: durch Menschen, durch strategische Beratung und durch technologiegestützte Lösungen. Deshalb haben wir früh Themen wie Strategic Meeting Management, Compliance-Lösungen und später KI-basierte Plattformen entwickelt.

RP: Ein schönes Beispiel ist unsere Plattform „Magnid“. Wir haben sie zu einem Zeitpunkt entwickelt, als es die heute allgegenwärtigen Large Language Models noch nicht gab. Trotzdem war uns klar: Wir brauchen KI, um personalisierte User Journeys zu ermöglichen. Also haben wir eigene Modelle aufgebaut, Server gemietet und ein nicht unerhebliches Budget in die Hand genommen. Ziel war, dass Teilnehmende gleichzeitig auf derselben Plattform sind, aber unterschiedliche, auf sie zugeschnittene Inhalte sehen – Hyperpersonalisierung, bevor es ein Modewort wurde. Dass wir im März 2020 mit einem MVP live gehen konnten, war das Ergebnis dieses Mindsets.

LS: Heute beschäftigen wir uns sehr intensiv mit Hyperpersonalisierung im Teilnehmermanagement und in der Kommunikation. Wir wollen den richtigen Menschen zur richtigen Zeit die richtigen Inhalte anbieten – und das skaliert ohne KI einfach nicht. Parallel dazu treiben wir Automatisierung in vielen Bereichen voran. Ich erinnere mich gut an Zeiten, in denen wir unzählige Stunden in Excel verbracht haben, Listen abgeglichen und Daten manuell gepflegt haben. Das ist heute weder effizient noch attraktiv. Indem wir solche Aufgaben automatisieren, schaffen wir Freiraum für das, was wirklich zählt: Beratung, Kreativität, konzeptionelles Arbeiten und die Begleitung unserer Kunden auf Augenhöhe.

eventmanager.de: Künstliche Intelligenz ist derzeit das große Thema. Wird sie den Eventmanager ersetzen – oder was bleibt letztlich unersetzbar menschlich?

LS: Ich verwende oft den Satz: „KI wird den Eventmanager nicht ersetzen, aber Eventmanager, die KI nicht nutzen, werden ersetzt.“ Ich glaube wirklich, dass weder Events noch Eventmanager verschwinden werden. Aber die Art, wie wir arbeiten, wird sich massiv verändern. Wer Technologie klug einsetzt, wird effizienter, schneller und kann mehr Wirkung mit denselben Ressourcen erzielen. Wer sie ignoriert, wird mittelfristig ins Hintertreffen geraten. Für die nächste Generation von Eventmanagern wird ein Grundverständnis von Daten, Tools und KI so selbstverständlich sein müssen wie heute der Umgang mit Office-Software.

RP: Ich sehe noch eine weitere Ebene: Wir leben in einer Welt, in der Menschen mit Inhalten überflutet werden – vieles davon künstlich erzeugt. Ich bin überzeugt, dass das „Echte“ in diesem Kontext an Wert gewinnt: echte Begegnungen, echte Geschichten, echte Emotionen. KI kann uns helfen, effizient zu produzieren, zu analysieren, zu personalisieren. Aber sie wird nicht das Gefühl ersetzen, das entsteht, wenn Menschen sich tatsächlich treffen, gemeinsam etwas erleben und sich wirklich austauschen. Die Kunst wird darin liegen, Technologie und Menschlichkeit zu verbinden: KI nutzt man im Hintergrund, um das Erlebnis im Vordergrund besser, relevanter und individueller zu machen.

eventmanager.de: Zum Abschluss: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die in die Eventbranche einsteigen oder künftig Führungsverantwortung übernehmen wollen?

RP: Mehr lachen. Wirklich. Wir müssen uns erlauben, authentisch zu sein. Geschichten zu erzählen, Emotionen zuzulassen – auch Tränen –, und dafür zu sorgen, dass sich das, was wir tun, für Menschen gut anfühlt. In einer Welt, in der so viel künstlich erzeugt wird, braucht es echte Geschichten und echte Persönlichkeiten. Das ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die nächste Generation.

LS: Mein Rat wäre „Mut zur Ehrlichkeit“ und der Umgang mit Unsicherheit. Unsere Branche ist eine High-Performer-Branche – selten läuft alles glatt. Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren, ehrlich zu kommunizieren, wenn etwas nicht funktioniert, und daraus zu lernen. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sich weiterzuentwickeln und Technologie als Chance zu sehen, wird in dieser Branche auch in Zukunft eine sehr spannende Rolle spielen.

eventmanager.de: Und wenn wir in zehn Jahren wieder zusammensitzen – was wünschen Sie sich, dass Kunden dann über Proske sagen?

RP: Dass wir unser Herz nicht verloren haben. Dass wir immer noch Menschen in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig relevanter denn je sind – als Partner, mit dem man wirklich weiterkommt.

LS: Und dass sie sagen: Mit Proske arbeiten wir seit Jahren partnerschaftlich zusammen. Sie sind international aufgestellt, technologisch vorne und dennoch nahbar geblieben. Dann hätten wir vieles richtig gemacht.

Abschlussgedanke

Mit Teil 2 schließt sich der Kreis: Proske blickt nicht nur auf 40 Jahre zurück, sondern formuliert klar, welche Haltung, welche Kultur und welches Zusammenspiel von Technologie und Menschlichkeit das Unternehmen auch in Zukunft prägen sollen.

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