Die Ausstellung zeichnet die Geschichte der belgischen Bahnen während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945 nach © Stefan Schilling

facts and fiction konzipiert und realisiert neue Sonderausstellung in der Train World Brüssel

Agenturen

Für Train World, das Eisenbahnmuseum der belgischen Bahngesellschaft SNCB am Brüsseler Bahnhof Schaerbeek, hat facts and fiction die Sonderausstellung „Die SNCB während der Besatzung. Zwischen Kollaboration und Widerstand“ („La SNCB occupée. Entre collaboration et résistance“) konzipiert und umgesetzt. Grundlage der Zusammenarbeit mit Train World ist der Gewinn einer Ausschreibung, die insgesamt vier Sonderausstellungen umfasst, die bis 2032 realisiert werden.

Die Ausstellung wurde am 26. September 2025 eröffnet und wird bis Ende Juni 2026 zu sehen sein. Sie zeichnet die Geschichte der belgischen Bahnen während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945 nach und beleuchtet die Rolle der SNCB während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Im Zentrum stehen die moralischen Dilemmata, mit denen das Eisenbahnunternehmen und seine Mitarbeitenden konfrontiert waren. Einerseits musste die SNCB unter Zwang den Betrieb aufrechterhalten, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Rohstoffen sicherzustellen. Andererseits nutzten die Besatzer die Infrastruktur für militärische Zwecke, Deportationen und Zwangsarbeit. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, wie belgische Eisenbahner zwischen Pflichterfüllung, Widerstand und Zwangskollaboration agierten.

Anhand von Dokumenten, Fotografien und Zeitzeugenberichten wird deutlich, wie komplex die Lage während dieser Zeit war: von alltäglichem Betrieb über verdeckte Sabotage bis hin zu dramatischen Transporten politischer Gefangener sowie Juden, Sinti und Roma. Auch die Frage nach Verantwortung und Erinnerungskultur wird aufgeworfen: Wie geht eine Gesellschaft mit einer Vergangenheit um, in der Institutionen unter Zwang Teil eines verbrecherischen Systems wurden?

Die Ausstellung basiert auf aktuellen Forschungen des Study Centre for War and Contemporary Society (CegeSoma) sowie den Ergebnissen der vom belgischen Parlament eingesetzten Group of Wise Men. Damit verbindet sie historische Dokumentation mit einer gesellschaftlich hochaktuellen Reflexion.

Für das szenografische Konzept bestand die Herausforderung darin, sich in das bestehende Ausstellungskonzept zu integrieren und gleichzeitig als eigenständige temporäre Ausstellung wahrgenommen zu werden. Denn die Wechselausstellung ist dezentral in die komplette Fläche des 8.000 qm großen Museums integriert. Diverse Ausstellungsinseln, die sich durch ihr klares, wiedererkennbares Design von der Dauerausstellung abheben, erläutern anhand zahlreicher Originalzeugnisse und Originalobjekte verschiedene Aspekte der Unternehmensgeschichte während des zweiten Weltkriegs. Überraschende Medieninstallationen machen das komplexe Thema nahbar und nachvollziehbar. Die Gestaltung schafft Orientierung: Schwarz als Hauptfarbe wird kombiniert mit weißer Schrift, wodurch das Design schlicht und ruhig wirkt. Braun als Akzentfarbe hat symbolischen Wert als Erkennungsfarbe des Nationalsozialismus.

„Wir sind sehr stolz darauf, gerade als deutsche Agentur für ein so sensibles Thema ausgewählt worden zu sein. Diese Entscheidung sehen wir nicht nur als Anerkennung unserer fachlichen Expertise, sondern auch als ein Zeichen des Vertrauens in unsere verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der Geschichte“, sagt Andreas Horbelt, Kreativdirektor bei facts and fiction. „Diesem Anspruch folgt auch das gestalterische Konzept: bewusst klar, reduziert und zurückhaltend, um den historischen Dokumenten und Zeitzeugenberichten Raum zu geben und eine würdige Atmosphäre für die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Geschichte zu schaffen.“

Grundlage der Zusammenarbeit mit Train World ist eine langfristige Ausschreibung, die insgesamt vier große Sonderausstellungen umfasst, die bis 2032 realisiert werden. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die nachhaltige Nutzung aller Elemente des Ausstellungsbaus. Die Konstruktionen wurden deshalb so entwickelt, dass sie mit nur wenigen Anpassungen – etwa durch eine neue Farbgestaltung – für künftige Ausstellungen wiederverwendet werden können. Auf diese Weise entsteht nicht nur ein frisches Erscheinungsbild für jede Ausstellung, sondern auch ein ressourcenschonender und effizienter Umgang mit Materialien.

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