Aussteller-Ausfallfonds zur Rettung des Messewesens

Gastronomie, Hotellerie, Tourismus – viele Branchen befassen sich derzeit mit den Szenarien für eine Rückkehr zu geregelten Geschäftsabläufen. So auch die Messebranche, für die der IG Messewesen e.V.i.G. jetzt eine Berechnung dazu vorstellt, wann in Deutschland wieder Messen stattfinden können. Wichtiger Bestandteil: ein Ausfallfonds für Aussteller.

Grafik: © IG Messewesen

Der Föderalismus bewirkt in Deutschland, dass jedes Bundesland mit einer Inzidenz unter 100 selbst entscheidet, ob Messen stattfinden dürfen oder nicht. Schon für inländische Aussteller ist das kaum zu durchschauen. Laut Angaben der AUMA fanden im Jahr 2019 in Deutschland 163 Messen statt, daran nahmen insgesamt 180.472 Aussteller teil. Deutlich mehr als die Hälfte davon (63 Prozent) kamen aus dem Ausland. „Wie sollen die sich in unserem föderalen Dschungel zurechtfinden?“, fragt Dr. Stefan Terkatz, der 1. Vorsitzende der IG Messewesen und befürchtet eine massive Abwanderungsbewegung von Messen ins Ausland. „Um Messen wieder stattfinden zu lassen, braucht es eine bundeseinheitliche Regelung, die auch im Ausland verstanden wird“, sagt Terkatz und schlägt vor: „Deutschland muss für jeden Aussteller, ob aus dem In- oder Ausland, eine Garantie übernehmen und einen Ausfallfonds oder eine Versicherung bereitstellen. Damit wird ein Teil der Kosten ersetzt und das finanzielle Risiko einer Messeabsage abgefedert.“

Keine Messeabsagen mehr im Jahr 2022

Basis für diesen lediglich auf den ersten Blick verwegen anmutenden Vorschlag sind Berechnungen, die die IG Messewesen zur Wahrscheinlichkeit von Messeabsagen aufgestellt hat. Dabei wurden, in einem vereinfachten Schätzverfahren, auf der einen Seite die zu erwartenden Neuinfektionen bis zum Erreichen der Herdenimmunität bzw. einer Impfquote von 75% zugrunde gelegt; auf der anderen die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der die jeweilige Sieben-Tage-Inzidenz über den Wert von 100 steigt. Führt man die beiden Kalkulationen zusammen und hinterlegt die geplanten Messen ab September, kommt die IG Messewesen zum Ergebnis, dass ab November wieder Messen ohne nennenswertes Ausfallpotenzial durchgeführt werden könnten. „Voraussetzung dafür ist das Erreichen der Herdenimmunität“, sagt Terkatz und ergänzt: „Im Jahr 2022 muss mit hoher Sicherheit keine Messe mehr abgesagt werden.

Ausfallwahrscheinlichkeit im September und Oktober noch relativ hoch

Schon die Monate September und Oktober 2021 zeigten einen klar rückläufigen Risikotrend auf, allerdings liege die Ausfallwahrscheinlichkeit in diesen Monaten noch immer über 50 Prozent. Für diese Phase bringt die IG Messewesen den Ausfallfonds ins Spiel. „Wir schätzen das wirtschaftliche Gesamtrisiko auf knapp 900 Millionen Euro“, so Terkatz. Diese Zahl ergibt sich, wenn man die durchschnittlichen Kosten (Messebau, Standmiete, Nebenkosten) für einen Quadratmeter Ausstellungsfläche (744 Euro) mit der Gesamt-Quadratmeterzahl Ausstellungsfläche von Messen in Deutschland im Zeitraum September bis Dezember 2021 (rund 1,2 Mio.) multipliziert. „Und über diese 900 Millionen Euro könnte Deutschland einer Versicherungsgesellschaft eine staatliche Bürgschaft in Aussicht stellen.“ Diese Sicherheit für Aussteller diene allerdings vorrangig dazu, Abwanderungsbewegungen in andere Länder zu verhindern. Die mangelnde Rentabilität von Messen, die unter Hygieneregeln stattfinden, sei damit nämlich nicht vom Tisch. „Wenn nur die Hälfte der Besucher in die Hallen darf, weil weiterhin Abstände eingehalten werden müssen, arbeitet jede Messe defizitär“, sagt Terkatz. Deshalb gilt für ihn und seine Organisation: „Kein Re-Start im Jahr 2021, sondern warten, bis wir die Herdenimmunität erreicht haben.“

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